Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse
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Mit "Jenseits von Gut und Böse" liefert der Philosoph und überzeugte Atheist Michael Schmidt-Salomon eine provokative Auseinandersetzung mit gängigen Moralvorstellungen. Er schreibt dabei elegant und doch leicht verständlich, seine Argumente sind sehr überzeugend.
Ausgehend von Adam und Evas Sündenfall, beginnt Michael Schmidt-Salomon christlich-judäische Vorstellungen von Gut und Böse zu analysieren und in Frage zu stellen. Dabei erweist er sich keineswegs als trockener Theoretiker. Der Autor weiss auch zu unterhalten, wenn er bei seinen Ausführungen beispielsweise die Popkultur zu Rate zieht (Harry Poter, Herr der Ringe).
Im Laufe von "Jenseits von Gut und Böse" arbeitet Schmidt-Salomon den Unterschied zwischen Moral und Ethik, Willensfreiheit und Handlungsfreiheit heraus. Er plädiert dafür, sich endlich von der Willensfreiheit (als "Freiheit von Ursachen") zu verabschieden, was keineswegs als Freikarte für Schicksalsgläubigkeit oder Lebensbeliebigkeit interpretiert werden darf. Vielmehr ermuntert er zum verstärkten Einsatz der Handlungsfreiheit als "Freiheit von Zwang", als Freiheit sich gegen gängige Moralvorstellungen zu stellen. Die Moral wird nämlich gern als Rechtfertigung von Macht und Unterwerfung missbraucht, wie die Weltgeschichte allzu deutlich zeigt. Vor diesem Hintergrund wird eine zunächst scheinbar unerhörte Aussage des Autors, wie die, dass Ausschwitz nicht böse war, verständlich. Die Idee des Bösen hat demnacht Ausschwitz erst möglich gemacht, da sie die Andersartigkeit der Juden bzw. ihre "Schuld" am Tod Jesu für Machtzwecke nutzbar machte.
Nach dieser Analyse von Moral im ersten Teil des Buches, widmet sich Michael Schmidt-Salomon im zweiten Teil von "Jenseits von Gut und Böse" der Umsetzung eines "moralfreien Lebens". Als Methode, ein glückliches moralfreies Leben zu führen, empfielt Schmidt-Salomon dabei eine Synthese aus drei verschiedenen Geisteshaltungen. Außerdem gibt er einen verblüffenden und faszinierenden Ausblick auf Politik, Rechtssprechung und Wirtschaft, die sich ethisch statt moralisch verhalten. Die stringenten und witzig vorgeführten Argumente werden dank Fußnoten und Anhang für den Leser überprüfbar und runden so das gelungene Werk ab.
Weitere Informationen:
- Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
- Verlag: Pendo Verlag; Auflage: 3 (11. September 2009)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3866122128
- ISBN-13: 978-3866122123
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